30.03.2011

Erich Sennebogen ist tot

Am Montag, den 21. März 2011 starb Erich Sennebogen 79-jährig. „Mit ihm verliert die Sennebogen Maschinenfabrik die Persönlichkeit, die über sechs Jahrzehnte die Geschichte, die Werte und den Erfolg der Unternehmensgruppe verkörpert hat,“ bringt es das Unternehmen auf den Punkt. Erich Sennebogen war ein Vollblut-Unternehmer mit der seltenen Gabe, visionäre Innovationen und die Tatsachen so zu verbinden, dass Tragfähiges dabei herauskam.

Der Senior dosierte seine Worte, „Labern“ war ihm zuwider: in seinen Augen reine Zeitverschwendung. Er brachte die Dinge gerne auf den Punkt. Deutlich. Unmissverständlich. Mitreißend. Und oft mit einer Prise hintergründigem Humor. Wenn noch ein Motto für Erich Sennebogen steht, dann ist es „Geht nicht, gibt´s nicht!“ Nur so schaffte es der umtriebige Straubinger Maschinenbaumeister, aus kleinsten Anfängen eine moderne Weltfirma zu entwickeln.
Erich Sennebogen senior

Im Alter von nur 21 Jahren gründete er in Pilling bei Straubing seinen eigenen Betrieb, baute landwirtschaftliche Nutzmaschinen. 1953 zählte die Firma 13 Mitarbeiter. 1957 entwickelte Sennebogen die ersten mechanischen Seilbagger für die Bauwirtschaft. Seit 1959 gibt es die Maschinenfabrik Sennebogen in Straubing.

Sie hat sich bis heute zu einem weltweit agierenden Unternehmen mit Standorten in Straubing, Wackersdorf, Ungarn, USA, Dubai und Singapur entwickelt, verzeichnet rund 300 Millionen Umsatz und 1.000 Beschäftigte. Sennebogen steht für die Entwicklung, Konstruktion und Produktion von Seilbaggern, Kranen, Trägergeräten, Telekranen, Umschlaggeräten, Sondermaschinen in der Größenklasse bis 300 Tonnen und für die Fertigung von Stahlbauteilen. „Nur Gestaltern, nicht Verwaltern gehört die Zukunft“, so die Motivation des Firmengründers.
Erich Sennebogen (r.) mit Franz-Josef Strauß (2. v.r.)

Auch mit seiner Entscheidung, 1990 in Wackersdorf ein hochmodernes Werk zu errichten, bewies der Niederbayer Mut zum kalkulierten Risiko, Sennebogen leistete einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes nicht nur in der Region. Er hat einer Region Arbeit und wieder Hoffnung gegeben, indem er 1993 seinen bisherigen Zulieferer kaufte. Dort waren nur noch 40 Arbeiter beschäftigt, unter ihm ein Vielfaches.
Hier mit dem damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber

Jüngster Coup des Firmengründers und seiner Söhne Erich und Walter war die Eröffnung eines neuen Werks im Industriegebiet Straubing-Sand, eine 30-Millionen-Investition, die 2008 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Überzeugender kann man nicht dokumentieren, dass man an einen Standort und an die Zukunft des mittelständischen Familienunternehmens glaubt.
Erich Sennebogen - vor langer Zeit - mit dem heutigen bayrischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer

In ganz Deutschland hat sich Erich Sennebogen einen Namen gemacht als Gründer und Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. Mit 70 reichte der Industriepionier den Vorsitz weiter und wurde zum Ehrenpräsidenten des Verbandes gewählt. Auch für diverse Ehrenämter in Verbänden und Organisationen – Vollversammlung der Handwerkskammer, Selbstverwaltung der AOK, Ehrenamtlicher Richter am Arbeits- und Finanzgericht – nahm sich der Ausnahme-Unternehmer Zeit.
Sennebogen war auch Gründungs- und späterer Ehrenpräsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw)

Vielfach wurde Erich Sennebogen senior geehrt und für seine Arbeit und sein Engagement ausgezeichnet. Das ungarische Balatonfüred ehrte ihn, den „niederbayerischen Globalisierer“, 2005 als Unternehmer des Jahres. 2009 ehrte ihn die Universität Karlsruhe mit ihrem Innovationspreis. Viele Erfindungen Sennebogens hätten den Baumaschinenbereich maßgeblich beeinflusst und seien bis heute Stand der Technik, hieß es in der Laudatio. Der Lions Club ehrte ihn 2010 mit der seltenen Verdienstmedaille in Gold mit Stern am blauen Bande.
Die Innovation 1984: Weltweit erster hydraulisch verstellbarer Gelenkausleger (GAUH) für mehr Reichtiefe, mehr Reichweite und per Knopfdruck in Straßenfahrposition

Für seine Verdienste um Handwerk und Mittelstand wurde Erich Sennebogen des Weiteren mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet, mit dem Bayerischen Verdienstorden und der Goldenen Bürgermedaille seiner Heimatstadt Straubing. Das Land brauche Gründer, Macher und Gestalter, nur dann sei die Zukunft in einer globalisierten Welt zu gewinnen, so Sennebogen anlässlich seines 70. Geburtstages. Er war ein solcher Gründer, Macher und Gestalter wie kaum ein anderer. „Die Fortführung seines Lebenswerkes ist den Mitarbeitern der Sennebogen-Unternehmensgruppe Verpflichtung,“ teilt das Unternehmen mit.
Meilenstein in der Firmengeschichte: der weltweit erste vollhydraulische Seilbagger von 1969

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