04.08.2022

Nach hundert Jahren ausgedient

130 Tonnen Zentralballast in den Kran gepackt: Unweit des mondänen Kur- und Urlaubsorts St. Moritz im Schweizer Kanton Graubünden hat ein Liebherr-Raupenkran vom Typ LR 11000 eine 176 Tonnen schwere Eisenbahnbrücke eingebaut.
Rund 100 Jahre hat die alte Fachwerkbrücke zuverlässig ihren Dienst geleistet

Zum Austausch von drei jeweils rund 100 Jahre alten Eisenbahnbrücken hat Michael Egger, Geschäftsführer der Emil Egger AG mit Hauptsitz in St. Gallen, seinen 1.000-Tonnen-Raupenkran in den Südosten der Schweiz transportiert. Herausfordernd waren vor allem die Arbeiten am ersten Brückenbauwerk: Aufgrund der zur Verfügung stehenden knapp bemessenen Kranstellfläche direkt an einer befestigten Böschung zur angrenzenden Straße musste auf die Verwendung des Derrick-Auslegers mit seinem Schwebeballast verzichtet werden.
Deutlich zu sehen ist, dass für Derrickausleger und Schwebeballast kein Raum zur Verfügung steht

„Um dennoch ausreichend Standsicherheit beim Hub der neuen und deutlich schwereren Eisenbahnbrücke zu gewährleisten, mussten wir als Kompensation für den Schwebeballast den Zentralballast am Kran maximieren“, erklärt Egger, der den Einsatz zusammen mit seinem Kollegen Andreas Schönenberger geplant hat.

Im Vorfeld hatte er den Lastfall in dieser ungewöhnlichen Rüstkonfiguration mit den Spezialisten bei Liebherr in Ehingen abgestimmt: „Standardmäßig ist der LR 11000 mit 90 Tonnen Zentralballast bestückt. Wir haben für diesen Einsatz nun 130 Tonnen in den Kran gepackt, nachdem uns Liebherr das OK dafür gegeben hat.“ Der Drehbühnenballast war mit dem maximalen Gegengewicht von 250 Tonnen bestückt.
Firmenchef Michael Egger (Mitte) mit seinem Kollegen und Projektleiter für die Raupenkraneinsätze, Andreas Schönenberger, auf der alten Fachwerkbrücke

Bevor die neue, rund 35 Meter lange und vor Ort aus mehreren Segmenten zusammengebaute Stahlkonstruktion platziert werden konnte, musste zunächst das alte Brückenbauwerk weichen. Die 65 Tonnen schwere Fachwerkkonstruktion war rasch von den Widerlagern gehoben und am Rand des Gebirgsflusses, direkt beim LR 11000, abgesetzt. Später wurde sie zum Abtransport erneut umpositioniert.

Danach konnte der Raupenkran die neue Brücke vom Spezialtransporter auf der Straße heben und bei einer Ausladung von rund 22 Metern über dem Fluss positionieren. „Bei dieser Ausladung und einem Bruttolastfall von 205 Tonnen kratzen wir knapp an der Grenze der Traglasttabelle für den Kran in dieser speziellen Rüstkonfiguration“, berichtet Michael Egger.
Peter Stricker in der Krankabine des LR 11000 setzt die 176 Tonnen schwere Stahlbrücke zielsicher auf die Widerlager der erneuerten Flussquerung

Auf- und abgebaut wurde der LR 11000 von einem Liebherr-Mobilkran LTM 1250-6.1 des im Tessin ansässigen Kran- und Transportunternehmens Sabesa. Andrea Saccomandi, Geschäftsführer von Sabesa, der eigentlichen Auftragnehmerin für den Austausch der drei Eisenbahnbrücken, war bei dem Kranjob persönlich vor Ort.
Fabio Egger aus der vierten Generation des Familienunternehmens packt bereits kräftig mit an

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