10.12.2014

Klettern am höchsten Gebäude der Schweiz

Der knapp 180 Meter hohe Roche Tower in Basel wird die neue Konzernzentrale der F. Hoffmann-La Roche AG und zugleich ein Gebäude der Superlative; es übertrifft das bisher höchste Hochhaus der Schweiz, den Zürich Prime Tower, um satte 50 Meter.

Fix: Die Lage mitten in der Basler Innenstadt, das Gesamtvolumen des Gebäudes sowie die kurze Bauzeit stellen aber auch besondere Anforderungen an die Logistik. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse findet die Andienung an der Baustelle nach einem streng geregelten Logistikkonzept statt. Die Bauaufzüge zum Personal- und Materialtransport auf der Baustelle verfügen über zwei Hauptzugänge: zum einen auf Nullniveau im Bereich der Andienung des Materials und zum anderen auf + 5 Metern für den Personentransport. Zum Einsatz kommen zwei Scanclimber-Doppelfahrkorbanlagen mit einer Tragfähigkeit von jeweils 3.200 Kilogramm pro Fahrkorb und mit einer Geschwindigkeit von 54 Metern pro Minute, um die großen Gebäudehöhen in relativ kurzer Zeit zu erreichen. Die Twin-Anlagen tragen die Typenbezeichnung SC 3232FL, die Masten sind in der stärkeren 65H-Version (H für Heavy) ausgeführt.
Scanclimber-Technik am Roche Tower in Basel

Fixiert: Der Aufbau der Doppelfahrkorbanlagen mitten in der City musste mit hundertprozentiger Sicherheit ablaufen. Damit während der Montage keine Teile herunterfallen können, hat Scanclimber ein spezielles System entwickelt, in dem alle Einzelteile der Aufzugsanlage während der Montagevorgänge fixiert werden. Dafür wurden neuentwickelte Montagehaltesysteme eingesetzt, an denen wiederum durch Sicherungsseilkonstruktionen sämtliche Schrauben, Muttern und Einzelteile während der Montage gesichert waren. Das System, bei dem anfänglich mit einem erhöhten Aufwand gerechnet wurde, hat sich sowohl technisch als auch ökonomisch voll bewährt; entgegen den Erwartungen der Beteiligten, wie diese eingestehen.

Feinsteuerung: Ein besonderes Augenmerk galt der Steuerung der Aufzüge. Damit die Aufzüge möglichst flott und effizient die Etagen bedienen, hat Scanclimber ein spezielles Kontrollsystem entwickelt, welches es erlaubt, die Haltestellenrufsteuerung in den jeweiligen Geschossen entweder in herkömmlicher Ruffunktion – also von der Haltestelle in den Fahrbefehl einzugreifen – zu nutzen oder alternativ in der sogenannte Signalfunktion.

Bei der Signalfunktion, die bei Bau 1 von Hoffmann-La Roche fast ausschließlich genutzt wurde, wird ein Signal von der Haltestelle an den Fahrkorb gesendet. Dieses Signal wird von der Steuerung gespeichert. Die eingesetzten Aufzugführer erhalten hierdurch Mitteilung, welche Geschosse den Aufzug benötigen und fahren dann unter Berücksichtigung der Auslastung des Fahrkorbs und der zeitlichen Reihenfolge die Rufe der Haltestellen ab. Dies reduziert die Wartezeiten erheblich, so der Hersteller.

Fassadenschluss: Außerdem sollte schon während der Bauphase die Fassade, von unten beginnend, komplett geschlossen werden. Das heißt, selbst die Öffnungsbereiche der Aufzugsanlagen waren zu schließen. Scanclimber entwarf spezielle Verankerungen, die unter Abnahme einiger Teile genügend Platz schufen, um ein Fassadenelement zwischen den Masten und dem Bauwerk einfädeln zu können.
An dem 178 Meter hohen Gebäude kommen zwei Doppelkorbfahranlagen zum Einsatz

Um das Ganze zu bewerkstelligen, mussten Verankerungskonstruktion und Mast so ausgebildet sein, dass mindestens eine Verankerung des vollständig aufgebauten Aufzugs immer entfernt werden konnte. Hierdurch wurden während der Umankerungsphase Ankerabstände von bis zu 32 Metern erreicht. Die gesamten Montagearbeiten inklusive Wartung, verbunden mit einer Reaktionszeit von maximal zwei Stunden, wurden durch Scanclimber realisiert.

Fit für die Feuerwehr: Viele Details kann man noch hervorheben. So zum Beispiel die hydraulischen Übertrittsrampen, die sich automatisch beim Erreichen der Haltestelle aus den Fahrkörben ausklappen und auf die jeweilige Haltestellendecke legen. Außerdem sollte sich die Bodenstation nicht nur über die Vorderseite be- und entladen lassen, sondern auch über die Rückseite. Auch hier setzte der Hersteller auf eine hydraulische Rampe. Durch die zwei Haupt-Haltepunkte unten mussten quasi zwei Bodenstationen aufgebaut werden. Zu guter Letzt wurde eine Feuerwehrrettungssteuerung in den Fahrkörben installiert, über welche die Einsatzkräfte an der Bodenstation den Fahrbefehl des Aufzugs direkt steuern können.

Bisher haben die Bauaufzüge in rund zwölf Monaten „Laufzeit“ über 60.000 Fahrten absolviert. Einer der beiden wurde mittlerweile demontiert, während der andere noch bis März 2015 seine Dienste am künftig zweithöchsten Gebäude der Schweiz verrichtet.

Daten & Fakten zum Roche Tower
Höhe: 178 Meter, 1 Stockwerke (oberirdisch)
Bruttogeschossfläche: 74.200 m²
Gesamtvolumen: 375.000 m³
Aushub: 130.000 Tonnen
Baubeginn: März 2011
Bezugstermin: Ende 2015
Kosten: ca. 550 Millionen CHF (460 Millionen €)

Das Gebäude wird erdbebensicher errichtet (bis 6,9 auf der Richter-Skala) und steht auf exakt 389 Gründungspfählen, die bis zu 50 Meter tief in die Erde reichen. Die Arbeiten am Rohbau haben im März 2012 begonnen und sollen nun, Ende 2014, abgeschlossen sein. Neben 2.000 Arbeitsplätzen beherbergt der Turm ein Auditorium mit 500 Plätzen sowie Personalrestaurant und Cafeterien.
Der größere Wolkenkratzer verdeckt den jetzt im Bau befindlichen Roche Tower künftig fast, zumindest aus dieser Perspektive (Bild: Herzog & de Meuron)

Doch das ist nur der Anfang: Vor kurzem hat der Pharmakonzern schon Pläne für einen Zwillingsturm präsentiert, der den Roche Tower locker in den Schatten stellt: Er soll 205 Meter hoch werden und 2022 fertig sein. Roche übertrifft sich selbst.

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