22.12.2020

Findling geborgen

Er kam vor über 100.000 Jahren aus Skandinavien und hat sich unter der Erdoberfläche versteckt: ein sogenannter Findling. Gletscher haben den über 100 Tonnen schweren Gesteinsbrocken in die Niedersächsische Ebene nach Hüven südlich von Papenburg geschoben. Dass ein Brocken im Boden liegt, war dem Landwirt lange bekannt. Erst als man genauer nachschaute, wurden die Ausmaße bekannt. Danach entwickelte sich der freigelegte Findling im Acker zu einem Besuchermagneten mit bis zu tausend Schaulustigen an Wochenenden.

Daher beschloss die Gemeinde, dem Stein einen neuen Standort zu geben, zumal Findlinge mit mehr als zwei Metern Durchmesser als Naturdenkmal eingestuft werden. Der 5,80 Meter lange, 4,90 Meter breite und 2,90 Meter hohe „Findling von Hüven“ wurde aus seinem Erdloch gehoben. Die Firma Gertzen zeichnete verantwortlich für dieses Projekt. Bei der Vorbereitung wurde eine 370 Meter lange Baustraße mit Stahlplatten durch das Feld verlegt. Hierüber fahren sowohl der Kran als auch die selbst angetriebene SPMT-Transportkombination bis zum Fundort vor.
Der Findling wird aus dem Boden gehoben

Die Anzeige des Liebherr LTM 1750-9.1 von Gertzen blieb bei 103 Tonnen stehen, als der Stein am Haken hing. Um den Stein anzuschlagen, wurden zwei Kanäle unterhalb des Brockens hindurch gebohrt, sodass heute dann auf einen Selbstfahre verladen werden konnte. „Die Wahl fiel auf eine 18-Achs-Kombination, da die 4,5 Kilometer lange Strecke mit maximal 12 Tonnen Achslinienlast befahren werden darf. Nur ein solcher Selbstfahrer kam wegen seiner präzisen Manövrierfähigkeit und seiner Geländegängigkeit für diese Aufgabe in Frage“, erläutert Firmenleiter Wolfgang Gertzen die technischen Beweggründe, einen Cometto SPMT nutzen.

Schon in der ersten Kurve an musste eine Stromleitung unterfahren werden. Der SMPT-Steuermann Ingo Wiggelinghoff senkte dabei die Kombination im Fahrmodus um 350 Millimeter ab, sodass die Engstelle gefahrlos passiert werden kann. Die wahre Herausforderung stellte sich der Firma Gertzen bei der nächsten 90-Grad-Kurve und der Einfahrt zur Landstraße: Hier spielte die elektronische Lenkung des Cometto-Selbstfahrers ihre Stärken aus. Mithilfe von Trucklenkung und Diagonalfahrt fädelte sich die 29,30 Meter lange Kombination punktgenau in die Fahrspur ein.
Dank der elektronischen Steuerung waren auch 90-Grad-Kurven kein Problem

In dieser Kurve stand außerdem ein Stromverteilerkasten der Power-Pack-Unit im Weg. Per Funkfernsteuerung schwenkte Bediener Ingo die Motoreinheit um 12 Grad hydraulisch nach oben. Um zusätzliche Höhe zu gewinnen, wurden die Achsen des SPMT um 350 Millimeter nach oben ausgefahren.
Bei der nächsten 90-Grad-Kurve kam ein zusätzliches Lenkprogramm zum Einsatz: die Karusselfahrt. „Solche herausfordernden und nicht alltäglichen Lenkmanöver und Kurvenfahrten sind eben nur mit einer elektronischen Lenkung umsetzbar“, beschreibt Joachim Kolb, Sales Manager bei Cometto, die Stärken des selbstangetriebenen Transporters bei solchen Einsätzen.

Nach einer Stunde Fahrzeit hat das Gertzen-Team sein Ziel erreicht: die Ortsmitte von Hüven. Inzwischen ist der Stein als „Findling von Hüven“ auch im Netz zu finden.
Jetzt ist der Stein die neue touristische Attraktion von Hüven

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