09.02.2026
Atlas strauchelt
„Schwieriges Marktumfeld“: Die Atlas GmbH mit Sitz in Ganderkesee bei Delmenhorst hat beim Amtsgericht Delmenhorst einen Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung gestellt. Das Insolvenzgericht hat mit Beschluss vom 6. Februar 2026 die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Der Geschäftsbetrieb wird fortgeführt. Produktion, Ersatzteilservice und Kundendienst würden planmäßig weiterlaufen, heißt es. Weitere Gesellschaften der Firmengruppe – Atlas Spare Parts GmbH, Atlas FF GmbH & Co. KG, Atlas Group Services GmbH und Atlas Kompakt GmbH – sind ebenfalls von der Pleite bedroht, für sie wurden ebenfalls Anträge auf Eigenverwaltung gestellt.
Ein Eigenverwaltungsverfahren wird vom Insolvenzgericht nur angeordnet, wenn nach einer besonders sorgfältigen Prüfung
belastbare Sanierungsaussichten bestehen und die Fortführung des Unternehmens für die Dauer des Verfahrens finanziell abgesichert ist. Die Geschäftsführung bleibt im Amt und steuert die Restrukturierung weiterhin selbst. Das Verfahren wird durch einengerichtlich bestellten Sachwalter überwacht.
Zur Unterstützung der Geschäftsführung wurden die Sanierungsexperten
Dr. Malte Köster und Dr. Hans-Joachim Berner (von der Kanzlei KösterBerner) als Generalbevollmächtigte eingesetzt. Der Rechtsanwalt Hendrik Gittermann (Kanzlei Reimer) wurde vom Amtsgericht zum vorläufigen Sachwalter bestellt.
Atlas ist ein seit 1919 bestehendes Traditionsunternehmen und zählt zu den bekannten deutschen Herstellern von Baumaschinen. Das Unternehmen ist insbesondere für Mobil- und Raupenbagger sowie Ladekrane bekannt. Die betroffenen Atlas-Gesellschaften beschäftigen rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Umsatz lag zuletzt bei rund 150 Millionen Euro.
Hintergrund des Verfahrens ist den Angaben zufolge
eine seit längerem andauernde, branchenweite Marktschwäche in der Baumaschinen- und Bauwirtschaft, die zu deutlich rückläufigen Auftragseingängen und einer niedrigeren Auslastung geführt hat. Hinzu kämen sogenannte strukturelle Belastungen, die eine nachhaltige Stabilisierung außerhalb eines Eigenverwaltungsverfahrens erheblich erschwerten, wie es in einer MItteilung des Unternehmens heißt.
Darin heißt es weiter: „Atlas hatte bereits vor Antragstellung umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet und wurde hierbei auch durch Liquiditätsbeiträge der Gesellschafterseite unterstützt. Trotz dieser Anstrengungen konnten Liquiditätsengpässe letztlich nicht vollständig vermieden werden. Das Eigenverwaltungsverfahren bietet nun den erforderlichen rechtlichen Rahmen, um die bereits begonnene Restrukturierung konsequent umzusetzen und das Unternehmen nachhaltig zu stabilisieren. Die Beschäftigten wurden über die nächsten Schritte informiert. Die Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld bis einschließlich April 2026 gesichert.“
Dr. Malte Köster, Generalbevollmächtigter, erklärt: „Atlas ist operativ leistungsfähig und verfügt über eine starke Marke. Das Eigenverwaltungsverfahren schafft jetzt den rechtlichen Rahmen, um die Restrukturierung konsequent umzusetzen und das Unternehmen nachhaltig zu stabilisieren. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten tragfähige Perspektiven zu entwickeln.“
Parallel zur Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen soll in den kommenden Tagen ein strukturierter internationaler Investorenprozess eingeleitet werden, um zusätzliche Optionen für eine nachhaltige Fortführung zu erhalten.
KösterBerner ist auf das Sanierungsrecht spezialisiert – sowohl in der klassischen Insolvenzverwaltung als auch im Rahmen von Eigenverwaltungen. Mit einem Team von über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 12 Standorten zählt sich die Kanzlei zu den zu den leistungsstärksten Insolvenzverwalterkanzleien in Deutschland.
Reimer ist eine auf Sanierungs- und Restrukturierungsberatung sowie Insolvenzverwaltung spezialisierte Kanzlei mit mehr als 130 Experten. Die Partnergesellschaft zählt mit 13 Insolvenzverwaltern an 10 Standorten eigenen Angaben zufolge zu den größten und versiertesten deutschen Rechtsanwaltskanzleien für die Sanierung von Unternehmen und Insolvenzverwaltung.
Kommentare