13.02.2026

Großkrantrio lupft 175-Meter-Windrad

3 x 800 für 10 x N175/6.X: Drei 800-Tonnen-Krane von Liebherr haben Ende 2025 im Windpark Mahlsdorf in Brandenburg zehn sehr hohe Windkraftanlagen errichtet. Es handelt sich um einen der ersten Windparks dieses Typs in Deutschland, der besonders hohe Erträge an Schwachwindstandorten liefern soll.
Noltes LG 1800-1.0 beim Heben eines Rotorblatts

Die Nordex Group hat in ihrer Delta-4000-Baureihe eine neue Windkraftanlage auf den Markt gebracht, die N175/6.X. Wie der Name nahelegt, hat sie einen Rotordurchmesser von 175 Metern und 6,8 MW Leistung. Mit 179 Metern Nabenhöhe gehören diese Windräder zu den höchsten Onshore-Anlagen weltweit.

Schwachwind? Okay. Alles andere als schwach hingegen waren die hierfür erforderlichen Großkrane – auf dem Papier wuppen sie zusammen 2.400 Tonnen. Zum Einsatz kamen ein LG 1800-1.0 von Nolte sowie ein LR 1800-1.0 von Neeb und ein LR 1800-1.0 von Hofmann, jeweils mit einer maximalen Traglast von 800 Tonnen. Auch die Hilfskrane kamen aus Ehingen, insgesamt waren es also neun Liebherr-Maschinen.

Die starken 800-Tonner sind die kleinsten Krane, die diese hohen und schweren Anlagen stellen können: 83 Tonnen netto bringt das Windradgetriebe als schwerste Einzelkomponente auf die Waage. Dafür waren alle drei Krane mit dem HSL4-Auslegersystem ausgestattet: 174 Meter Hauptausleger plus 18 Meter feste Spitze. Für die Hübe waren 170 Tonnen Oberwagenballast und 100 Tonnen Schwebeballast aufgelegt.
Mittels V-Frame kann das Moment durch Veränderung des Radius verändert werden. Der VarioTray erlaubt es, den Ballast abzukoppeln, der lediglich zum Auf- und Ablegen des Masts nötig ist.

Zum Aufrichten des Masts werden insgesamt gut 400 Tonnen Schwebeballast benötigt. Mit Hilfe des Vario Tray kann die große Palette mit 300 Tonnen innerhalb von Minuten von der kleineren Palette mit den verbleibenden 100 Tonnen abgekoppelt und abgestellt werden. Das spart Zeit und Aufwand beim Aufrichten und Ablegen.

In Windpark Mahlsdorf war es dadurch möglich, kurze Wetterfenster von nur zwei Tagen sinnvoll zu nutzen. Auch der V-Frame sparte Zeit: weiter entfernt gelagerte Rotorblätter konnten bei großem Ballastradius aufgenommen und bei kleinerem Radius montiert werden, ohne dass Ballast gestapelt werden musste.

Ein wesentlicher Faktor bei der Optimierung der Baukosten ist, die Umbauzeiten der Krane gering zu halten, sowohl innerhalb eines als auch zwischen verschiedenen Windparks. Hofmann setzte SPMTs ein, um den Kran nicht vollständig abbauen zu müssen.
Hofmanns LR 1800-1.0 hebt ein 65 Tonnen schweres Stahlturmsegment und installiert es auf dem Nordex-Betonturm

Beispielsweise wird das Grundgerät (ohne Raupen) sowie der komplette Gegenausleger im Ganzen transportiert. Transportaspekte waren auch der Grund, warum sich Nolte für den LG (mit Rädern) statt den LR (mit Ketten) entschieden hat: „Wir sind grundsätzlich eine Mobilkranfirma. Da man beim LG 1800-1.0 keine 70 Tonnen schweren Raupenfahrwerke transportieren muss, passt das besser zu unserer Tiefladerflotte,“ erläutert Projektleiter Jürgen Peters.
Nachdem die Krankomponenten von der vorherigen Anlage transportiert worden waren, wurde der LR 1800-1.0 von Hofmann nachts montiert, mit einem LTM 1250-5.1 als Hilfskran

Ingo Klees von der Firma Neeb erklärt: „Da der Windpark bis zum Jahresende fertiggestellt werden sollte, wurden wir kurzfristig zur Unterstützung hinzugezogen. Die Umsetzung des Krans erfolgte innerhalb von sieben Tagen – einschließlich Demontage und erneuter Montage. Und das, obwohl der Kran zuvor im Schwarzwald im Einsatz war, rund 850 Kilometer entfernt von Mahlsdorf. Diese Leistung war nur durch ein hervorragend eingespieltes Team sowie ein gut durchdachtes Montage- und Transportkonzept möglich,“ so der Mitarbeiter im technischen Außendienst.
Im Vordergrund der gelb-rote LR 1800-1.0 von Neeb

An einem der beiden Raupenkrane gab es Probleme mit einer Hydraulikpumpe. Wenige Stunden nach Auftreten des Problems war der Herstellerservice vor Ort, und das Problem wurde gemeinsam mit den Kollegen der Kranfirma behoben. Eine zusätzliche Nachtschicht und einen Schlechtwettertag später war der Kran aufgebaut, immer noch rechtzeitig, um zeitgleich mit der anderen Raupe an der Anlage nebenan Turmsegmente zu montieren.

Erik Piper, Kranfahrer und SPMT-Operator bei Hofmann, ist zuversichtlich, was die Eignung der 800-Tonner für zukünftige Anlagen angeht: „Die LR 1800-1.0 ist ideal für die Montage der nächsten Generation von Windkraftanlagen mit steigenden Nabenhöhen und höheren Massen. Der Kran ist stark genug, um auf Basis der Windlasttabellen auch bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 30 km/h arbeiten zu können.“

Verleiht Flüüüüügel: Einen Beitrag dazu leisten auch Systeme wie das Autonomous Positioning System (APS) von Seasight Solutions, das die Rotorblatttraverse mit zwei elektronisch gesteuerten Propellern stabilisiert und ausrichtet. „Wenn man das nur mit Leinen und Personal am Boden versuchen würde, könnte man nur bei erheblich geringeren Windgeschwindigkeiten arbeiten, was zu mehr Standzeiten führen würde“, sind sich Piper und sein Kollege Rainer Schlesner von der Firma Nolte einig.
Zur Stabilisierung und Lageregelung der Blätter kam eine Traverse von Liftra sowie das APS von Seasight Solutions zum Einsatz. Durch die beiden Propeller kann die Lage des Blatts auch bei Wind bis zu 30 km/h kontrolliert werden.

Und wie resümiert der Hersteller selbst den Einsatz zufrieden? „Die Baustelle demonstriert eindrucksvoll, dass moderne 800-Tonnen-Krane ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Montage der nächsten Generation von Windenergieanlagen sind, insbesondere bei engen Zeitfenstern und anspruchsvollen Windbedingungen.“

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