Am 3. März vor fünfzig Jahren begann Renzo Pagliero offiziell seine Laufbahn beim italienischen Maschinenhersteller Multitel. Wenige Wochen später, im Mai, schloss er sein Ingenieursstudium ab. Und am 3. Juli desselben Jahres heiratete er. „Ich bin mit diesen beiden Zahlen verbunden: 3 und 50“, sagt er heute. Diese Zahlen erzählen ein ganzes Leben.
Renzo Pagliero
Als Teenager wollte er eigentlich Journalist werden. Doch schon als Kind ging Renzo mit seinem Vater und seinem Bruder zu Multitel und sog die Atmosphäre der Werkstatt ein.
1951, vor seiner Zeit: Der Einbau eines Korbs ist die natürliche Weiterentwicklung der Erfahrungen, die im Bereich der LKW-Krane gesammelt worden waren. So entsteht die erste LKW-Arbeitsbühne, zusammen mit einem neuen Markt, der später zum Kerngeschäft des Unternehmens werden sollte
Seine erste Stelle dann hatte er im technischen Büro, in einer Zeit, die ihm heute sehr fern erscheint: „Es gab keinen einzigen Computer. Wir arbeiteten mit Papier, Zeichentischen und Taschenrechnern. Ich hatte einen kleinen Schreibtisch in einer Ecke.“ Er erinnert sich: Sein erstes Gehalt betrug 250.000 Lire im Monat.
Die ersten zehn Jahre arbeitete Renzo eng mit seinem Onkel zusammen, dem Maschinenkonstrukteur des Unternehmens. Er war in Konstruktion, Zertifizierung und Prüfung involviert: von der Sicherheit bis zur Straßenzulassung, zu einer Zeit, als Krane – damals das Kerngeschäft – spezifisches technisches Fachwissen und behördliche Genehmigungen erforderten.
Multitels erste 3,5-Tonnen-LKW-Bühne kam Anfang der 70er Jahre raus
Dann kam ein doppelter Wendepunkt: Zum einen die strategische Entscheidung des Unternehmens, sich auf Hubarbeitsbühnen zu konzentrieren und den Kransektor schrittweise zu verlassen; zum anderen Renzos natürlicher Wechsel in den Vertrieb und Export, unterstützt durch seine Sprachkenntnisse. „Anfang der 80er-Jahre wurde uns klar, dass Italien allein uns nicht weiterbringen würde. Wir mussten uns im Ausland umsehen.“ 1989 beispielsweise wurde die französische Tochtergesellschaft gegründet.
Alu für die Ausleger
Auf die Frage, worauf er am meisten stolz ist, stellt sich Renzo nicht selbst in den Mittelpunkt. Ehrlich räumt er ein, dass er „im Vergleich zu meinem Onkel eine weniger wichtige Rolle“ spielte, als es um eine der entscheidendsten technischen Entscheidungen in der Geschichte von Multitel ging: der Verwendung von Aluminium für die Ausleger. „Diese Entscheidung veränderte die Geschichte des Unternehmens und eröffnete Horizonte, die zuvor unvorstellbar waren.“
Mit der Herstellung des ersten Teleskopauslegers, der vollständig aus einer Aluminiumlegierung besteht, revolutioniert Multitel den Markt und öffnet den Weg für den Export von LKW-Arbeitsbühnen nach Belgien, Frankreich und Deutschland
Als sein Onkel stirbt, rückt Renzo nach, „denn er hatte mir ausdrücklich gesagt, ich solle seinen Platz einnehmen“. Und führt Gelenkteleskopbühnen ins Sortiment ein, die MX-Reihe. Rückblickend sagt er: „Zwei große Werte haben mein Leben geprägt: die Arbeit und die Familie. Auch heute noch sind sie für mich grundlegend.“
2001: Seit 25 Jahren baut Multitel seine MX-Serie
Im Jahr 2026 fallen die Jubiläen fast symbolisch zusammen: 50 Jahre Berufserfahrung, 50 Jahre Studienabschluss und im Juli 50 Jahre Ehe mit Tiziana, also Goldene Hochzeit.
Und hier fällt ein grundlegender Satz: „Die Unterstützung und das Verständnis einer außergewöhnlichen Frau haben es mir ermöglicht, mich meiner Arbeit viel stärker zu widmen, als ich es sonst gekonnt hätte.“ Heute sind die Kinder der beiden in die Unternehmensführung eingebunden, Fabio und Anna. Denn Renzo glaubt nicht an Alleinherrscher: „In den letzten dreißig Jahren ist die Zeit des einsamen Führers vorbei. So kommt man nicht weiter.“
Renzo mit seinen Kindern Fabio und Anna
Und worauf ist er noch besonders stolz? „Dass das Unternehmen immer in Familienbesitz geblieben ist. Mein Großvater war stolz auf das, was er 1911 begonnen hatte.“ Sein Resümee: „Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Ich bin froh, einen Teil meines Lebens geopfert zu haben, und ich bereue es nicht.“ Und auch heute kommt Renzo Pagliero noch tagtäglich ins Unternehmen.
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