23.07.2026

Was ist ein Höhenwindturm?

In Brandenburg, in der Gemeinde Schipkau, wird momentan die größte Windkraftanlage der Welt hochgezogen. 365 Meter hoch soll sie werden, wenn sie fertig ist. Auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist – am vorigen Donnerstag wurde ein Meilenstein in dem Projekt erreicht: Der Rohbau der Stahlkonstruktion wurde abgeschlossen, sodass der sogenannte Höhenwindturm nunmehr bei etwa 167 Metern steht. Fehlen noch knapp 200 Meter, doch die sollen recht schnell vonstattengehen.
Nach dem Aufsetzen der Außenturmsegmente Ende Mai wuchs auch der Innenturm auf eine Höhe von rund 100 Metern

Anschließend wurde eine zehn Meter hohe und 80 Tonnen schwere Umstiegsplattform eingehoben und von Industriekletterern montiert

Sie wird später auf eine Höhe von 220 Metern gebracht und für den Umstieg sowie für Wartungsarbeiten und Rettungseinsätze genutzt

Ist das nicht ein Riesenaufwand? Und dann für bei der Höhe geradezu läppisch erscheinende 3,8 MW Leistung, die die Anlage einmal haben soll? Errichtet wird sie vom Dresdner Ingenieurdienstleister Gicon im Auftrag der Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind).

Das Unternehmen selbst erklärt den Aufbau des Windrads so: „Der Gicon-Höhenwindturm ist ein teleskopierbarer Onshore-Wind-Gitterturm. Seine Konstruktion ermöglicht Nabenhöhen von bis zu 300 Metern und überwindet damit die Grenzen klassischer Turm- und Krantechnik. Die Turbine wird zunächst in gut erreichbarer Höhe montiert und anschließend mit dem Innenturm in die finale Position gehoben. Aktuellen Messungen zufolge wird der Höhenwindturm nach Inbetriebnahme mehr als doppelt so viel Energie wie eine vergleichbare konventionelle Onshore-Anlage produzieren können“, so das Unternehmen.

Es handle sich dabei um keine Pilotanlage, sondern um „eine effektiv zu betreibende erste großtechnische Anlage“, heißt es seitens Gicon. Das Unternehmen plant, mit dem neuen Megawindrad 30 bis 33 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr zu produzieren.

Weil also kein entsprechender Kran vorhanden ist, wird zunächst der Außenturm hochgezogen und dann der Innenturm nach oben geschoben. Doch bis hierhin war die Baustelle am Rand von Schipkau Treffpunkt für Maschinen aller Art. So beispielsweise vor drei Wochen. „Ein besonderer Moment auf der Baustelle war der Hub des rund 185 Tonnen schweren Segments und das anschließende Aufsetzen in 120 Metern Höhe. Nach rund vier Stunden präzise abgestimmter Arbeit unter hochsommerlichen Bedingungen von mehr als 30 Grad im Schatten befand sich das Element sicher montiert in seiner finalen Position“, berichtet das Dresdner Unternehmen.

Verantwortlich für die Höhenarbeiten sind zwei gute Bekannte aus der Kran- und Bühnenbranche: Das Unternehmen Schmidbauer stellt die Krantechnik, die Firma Wörle die Arbeitsbühnen, sprich ihre Großgeräte Ruthmann T900 und T1000, jeweils HF. Zudem kamen Höhenkletterer von IFM zum Einsatz, um die Elemente zu montieren und zu verschrauben.

Ende Mai wurde in Schipkau das dritte von insgesamt fünf Außenturmsegmenten (UTS-03) erfolgreich aufgesetzt. Insgesamt wog das Element mit allem Drum und Dran 260 Tonnen. Damit überschrit das weltweite Pilotprojekt erstmals die 100-Meter-Marke und erreichte eine neue Höhe von 115 Metern.

Für die Montagearbeiten setzte Schmidbauer auch zuvor, Mitte Mai, auf den Liebherr-Raupenkran LR 11350. Er bietet eine maximale Traglast von 1.350 Tonnen und ermöglicht Hakenhöhen von maximal 220 Metern. Mitte Mai wurde das rund 350 Tonnen schwere Teilsegment UTS-02, die zweite Ausbaustufe des Turms, erfolgreich eingehoben, aufgesetzt und montiert.

„Der hier durchgeführte Hub gehört aufgrund der großen 40 x 40 x 40-Meter-Struktur vermutlich zu den – von den Abmaßen her – größten Einzelhüben, die jemals mit einem LR 11350 durchgeführt wurden, auch wenn das Gewicht im Vergleich zu Petrochemie- oder Offshore-Hüben moderat war“, so die Firma Schmidbauer.

Nachdem die Stahlbauarbeiten an Innen- und Außenmast mittlerweile abgeschlossen sind, folgt zunächst die Installation der Turbine und dann die Montage der Rotorblätter. Danach kann der Innenturm teleskopiert werden. Im Herbst dieses Jahres bereits soll die neue Rekordanlage fertigstellt sein. Baubeginn war im Oktober 2024.

Mehr dazu im Video (Quelle: YouTube):

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