Das Firmengelände: wie verwandelt. Für die Kleinen steht ein Gerüstparcours bereit, entlang eines Bauzauns ist die Firmengeschichte abgebildet, viele Biertischgarnituren und Stehtische füllen das Areal, eine große Bühne ist davor aufgebaut, Getränke- und Imbisswagen sind am Start, am Rand sind etliche Maschinen der Firma aufgereiht, und vor dem Startpunkt für die Fahrten mit der großen LKW-Arbeitsbühne bildet sich eine lange Schlange.
Die Fahrten mit der LKW-Bühne waren sehr begehrt
Das Firmengelände kaum wiederzuerkennen
Die 1926 als Malerbetrieb gegründete Firma im beschaulichen Denzlingen, unweit von Freiburg, hat sich über die Jahre und Jahrzehnte hinweg immer wieder ein Stück weit neu erfunden, neue Geschäftssegmente erschlossen, den Generationenwechsel offenbar stets gut gemanagt und sich ein gewisses Renommee erarbeitet, längst über den regionalen Tellerrand hinaus. Gegründet wurde das Unternehmen in Vörstetten im Kaiserstuhl, aber bereits seit 1984 hat es seinen heutigen Sitz in Denzlingen.
Blick von oben auf die Jubiläumsfeier
Vielleicht schon mit dem frühen Gang nach Ostdeutschland, damals noch DDR, aber spätestens mit dem spektakulär an Land gezogenen Auftrag zur Sanierung der Frankfurter Festhalle in den Nuller Jahren dürfte das Unternehmen sich einen landesweiten Ruf erworben haben, auch über die Branche hinaus.
Firmengründer und Malermeister Heinrich Becker
Hundert Jahre am Markt kommen nicht von irgendwo her. Anfang der 1960er Jahre steigt der damalige Firmenchef und Namensgeber Paul Becker in den Gerüstbau ein, in den 70ern kommen die Bereiche Containerdienst und Entsorgung hinzu, ebenso wie die Höhenzugangstechnik. Und seit 2013 ist nun auch bereits die vierte Generation mit in der Geschäftsleitung tätig.
Namensgeber Paul Becker stieg 1957 im Alter von 25 Jahern ein
So professionell das Tagesgeschäft seit nunmehr hundert Jahren zu laufen scheint, so professionell ist auch das Jubiläumsevent vorbereitet. Wie ein kleines Festivalgelände wirkt das Areal. Und das Führungstrio, Vater Harald Becker mit seinen Töchtern Sabrina und Vanessa Binz, begrüßt bestens gelaunt die Gäste, darunter viele Mitarbeiter (samt Familie) aus allen möglichen Niederlassungen der Firma, von Offenburg und Karlsruhe über Leipzig bis Berlin, Lieferanten wie Manitou, Haulotte und Palfinger, Kunden und Kundinnen wie auch den einen oder anderen Pressevertreter.
Und das bei bestem Wetter: 25 Grad, Sonne satt, leichte Brise. Die Gäste aus dem Norden suchen erstmal Schatten.
Das Podium Unternehmerfamilie, Familienunternehmen: In der Arbeitsbühnenbranche macht häufig das Wort „Familie“, auch „Bühnenfamilie“ die Runde. Und so ist es auch hier, bei der Paul Becker GmbH. Das Unternehmen sei wie eine zweite Familie, sagen viele unisono – Chefin, Mitarbeiter, Verwandte.
Vanessa Binz, Harald Becker, Sabrina Binz und Maskottchen Paule (v.l.)
„Man wächst in allem Positiven und Negativen mit einem Unternehmen auf, es ist eine zweite Familie“, bringt es Sabrina Binz auf den Punkt, die den Bereich Abfallwirtschaft leitet. Hinzu kommt aber auch die langfristige Perspektive. „Wir denken in Generationen“, erklärt Vanessa Binz, Geschäftsführerin der Arbeitsbühnensparte.
Ran an die Torte!
Mehrere Akteure finden sich auf der Bühne, nicht nur die Chefinnen und der Chef, sondern auch langjährige Mitarbeiter (plus ein Moderator). Sie berichten von ihren persönlichen Erfahrungen und Lebenswegen, immer im Zusammenhang mit dem Familienunternehmen. Sehr lebhaft erinnern sich die beiden Schwestern an das Schreddern alter Akten im Keller in ihrer Kindheit und Jugend. Dafür gab es Taschengeld. „Fünf Mark die Stunde.“ Ja, Leistungsbereitschaft sei schon früh geweckt und belohnt worden, erinnert sich Sabrina Binz. Sie hatte, berichtet sie, ein Ziel: Sie wollte auf einen Roller sparen. Ihr Fazit und Credo: „Erfolg macht süchtig und ist etwas ganz Tolles.“
In einem gelungenen und unterhaltsamen Talkshowformat erfahren die Gäste auf diese Weise spannende Geschichten und Details aus Unternehmen und Familie. Auch über Großprojekte in der damals noch jungen Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschland.
Und Sabrina Binz hält kurz inne und sagt: „Schade, dass Opa und Oma nicht mehr da sind. Unsere Großmutter Ruth ist im letzten Jahr verstorben. Wenn die beiden Berlin heute sehen könnten! Wir haben erst das erste Kanzleramt eingerüstet, dann das zweite. Und wir kommen nicht aus Berlin oder Frankfurt, sondern aus Denzlingen!“
Und sie setzt hinterher: „Wir trauen uns alles zu.“
Kommentare