20.10.2026

Schmidbauer errichtet höchste Windkraftanlage der Welt

365 Meter hoch und bis 375 Tonnen schwer: Ende September wurde die nun höchste Windenergieanlage der Welt fertiggestellt. Beim Bau des Prototyps des sogenannten Gicon-Höhenwindturms in der Lausitz in Brandenburg kam ein Liebherr-Raupenkran LR 11350 von Schmidbauer zum Einsatz.
Das größte und mit 375 Tonnen Bruttogewicht schwerste Einzelteil des mächtigen Turms wird am Boden vormontiert, der Raupenkran installiert hier einen Teil der Traverse

Mit dem sogenannten Höhenwindturm will der Technologieentwickler Gicon neue Möglichkeiten für die wirtschaftliche Nutzung der Onshore-Windenergie erschließen. Zwischen Berlin und Dresden ragt die Anlage seit einigen Wochen 365 Meter hoch in den Himmel. Der rund 126 Meter große Rotor soll dabei den in dieser Höhe stärkeren und stetigeren Wind für die Energiegewinnung nutzen, so der Gedanke dahinter.

Aufgebaut wurde der großdimensionierte Stahlfachwerkturm mit seiner 3,8-Megawatt-Windenergieanlage in einem bestehenden Windpark von einem großen Raupenkran. Seit Frühjahr 2025 war der LR 11350 bei dem Großprojekt im Einsatz und – mit Ausnahme der Rotorblattmontage – mit dem Parallelauslegersystem PowerBoom ausgerüstet. Damit konnten auch besonders schwere Lasten zuverlässig gehoben und montiert werden.
Mit dem PowerBoom-Auslegersystem ist der Raupenkran für das Heben besonders schwerer Lasten optimal ausgelegt

Das größte und schwerste Bauteil war ein rund 40 x 40 x 40 Meter großes Teilstück des Anlagenturms mit einem Bruttogewicht von 375 Tonnen. Bei einer Ausladung von rund 44 Metern setzte der Kran die Last auf die 50 Meter hohe Grundkonstruktion. Erforderlich war dabei auch das Verfahren des Raupenkrans auf einer eigens angelegten Fahrstraße aus Stahlplatten und Bongossihölzern.
Industriekletterer lösen nach der Montage in großer Höhe die gewaltige Traverse

Parallel zum Bau der äußeren Stahlkonstruktion wurde im Inneren der obere Turmabschnitt gefertigt, der später austeleskopiert werden sollte. Bis zum Erreichen der vorläufigen Turmhöhe von rund 160 Metern war der Raupenkran dazu mit dem PowerBoom und einer bis zu 84 Meter langen Wippspitze gerüstet. Hinzu kam ein Gesamtballast von bis zu 850 Tonnen am Kran und auf der Ballastpalette des Derrickauslegers.
Insgesamt 600 Tonnen Gegengewicht kommen zum Einsatz

Für die Montage der Rotorblätter musste der Kran anschließend umgebaut werden. „Dank des schnellen Rüstkonzepts des LR 11350 und ausreichend Fachpersonal konnte der Wechsel von der PowerBoom-Konfiguration auf den 104 Meter langen Gitterausleger innerhalb von nur sechs Tagen abgeschlossen werden“, berichtet der schwäbische Kranbauer. Zusammen mit der 84-Meter-Wippspitze erreichte der Raupenkran eine Rollenkopfhöhe von 200 Metern.
Der LR 11350 mit 200 Metern Rollenkopfhöhe kurz vor Abschluss der Montagearbeiten am Höhenwindrad

Die anschließenden Blattmontagen erforderten ein ausreichend Zeit mit möglichst wenig bzw schwachem Wind. Nach mehreren Tagen des Wartens nutzten die beteiligten Teams schließlich das passende Wetterfenster und montierten innerhalb von zwölf Stunden und teilweise bei Nacht die drei Rotorblätter in rund 170 Metern Höhe.
Die Montage des dritten Rotorblatts erfolgt bei Dunkelheit: Der Höhenwindturm ist nun komplett

„Während der rund 18-monatigen Einsatzzeit arbeitete mein LR 11350 absolut zuverlässig und störungsfrei“, bestätigt Kranfahrer Fabian Ueck nach Abschluss der Arbeiten. Bei dem Projekt kamen weitere Liebherr-Mobilkrane zum Einsatz. Sie übernahmen neben Rüsten und Ballastieren des Raupenkrans vor allem Arbeiten an der Grundkonstruktion sowie die Vormontage der einzelnen Segmente des gewaltigen Gittermastturms. Und natürlich waren etliche weitere Großgeräte im Einsatz, zweitweise fünf LKW-Bühnen mit Arbeitshöhen zwischen 70 und 100 Metern.

Unmittelbar nach Montage der Rotorblätter wurde der Innenturm der Fachwerkkonstruktion mithilfe eines integrierten Systems nach oben teleskopiert. Damit erreicht die Anlage eine maximale Gesamthöhe von 365 Metern und ist nach dem Berliner Fernsehturm Deutschlands zweithöchstes Bauwerk.
Nach dem vollständigen Austeleskopieren des Innenturms überragt der Höhenwindturm die übrigen Anlagen des Windparks ganz deutlich – wie auch alle anderen Bauwerke in Deutschland, bis auf den Berliner Fernsehturm

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