23.09.2019

Volles Programm – voll durchgezogen

21 Vorträge in zwei Tagen – und das in nicht getrennten Gruppen. Geht das überhaupt? Auch in diesem Jahr haben die Internationalen Schwerlasttage den Beweis dafür angetreten. Die Veranstalter Jochen Lüer und Dr. Jürgen-Michale Poelke haben nicht nur einen interessanten Mix aus Projekten, Politik und Personen zusammengestellt. Zudem wurden durch eine klare Ansage (und Anzeige auf einem Display) die Redezeiten nahezu perfekt eingehalten – aber ohne Ausnahme keine Regel. Das Interesse an solch einer Veranstaltung ungebrochen ist, zeigen die nackten Zahlen: über 300 Teilnehmer und fast 50 Aussteller.
Volles Forum: Rund 300 Teilnehmer waren in diesem Jahr gemeldet

Ein zentrales Thema, das die Schwerlastbranche bewegt, ist der Windkraftanlagenbau. Wolfram Axthelm, einer der Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie, berichtete vom Windgipfel, der Ende August mit der Bundesregierung stand fand. Sein ernüchterndes Fazit: Man habe sich vertagt. Ein Problem, das der Zubau an Anlagen mit sich bringt, sieht Axthelm in den zunehmenden Klagen vor Gericht, sodass Genehmigungsverfahren speziell für große Anlagen bis zu 800 Tage dauern können. Der Effekt ist wiederum mit Zahlen dokumentiert: Im ersten Halbjahr 2019 wurden in Deutschland 86 Anlagen errichtet.
Jochen Lüer zeichnet hauptverantwortlich für die Internationalen Schwerlasttage

Weniger Wind, mehr Brücke, so könnte man zu dem Thema von Dr. Gero Marzahn stehen. Er ist zuständig für unter anderem Brücken im Verkehrsministerium. Die 40.000 Brücken hierzulande rücken inzwischen stärker in den Fokus und deren Erhalt wird nicht mehr als Kostenfaktor angesehen. Das Problem mit dem Erhalt ist aber, dass dafür der Verkehr umgeleitet wird. Und wohin dieser fließt, wenn beispielsweise eine Brücke am Niederrhein gesperrt wird, zeigte Marzahn auf.
Die Außenfläche gespickt mit Auslegern, die in den Himmel ragen

Doch nicht nur die Theorie war gefragt. Anhand einem halben Dutzend Projekten wurde in diesem Jahr wieder die Leistungsfähigkeit der hiesigen Branche dargestellt – auch deren Innovationsfreude. So hat beispielsweise Sebastian Pohl, Verkaufsleiter bei Mammoet Deutschland, einen Einsatz im argentinischen Embalse vorgestellt. So mussten vier alte Dampferzeuger aus dem bestehenden Kernkraftwerk herausgebracht werden und die neuen an die entsprechende Stelle gebracht werden. Da konnte nicht eben mal ein Dach geöffnet werden. Der Weg führte durchs Gebäude.
Extra angereist: der Grove GMK5250XL-1

Wer schwere Brocken bewegt, hat sich stets mit Rechtsfragen und deren Novellen auseinanderzusetzen. Klarer Fall für Dr. Rudolf Saller. Alleine, es hat sich so viel in der letzten Zeit getan, dass er den Veranstaltern etwas mehr als die veranschlagten 30 Minuten abgerungen hatte. Aber keine Frage, die Themen brennen nicht nur dem Juristen auf der Seele. So fordert er die Erlaubnis für BF4-Fahrer ein Megaphon einzusetzen: „Wie sollen sie ansonsten mit den Verkehrsteilnehmern kommunizieren?“. Dass dies notwendig ist, zeigen leider traurige Beispiele in der jüngsten Zeit. Traurig auch, dass es immer wieder zu Unfällen bei Schwertransportbegleitfahrzeugen kommt. Allerdings beruht die überwiegende Zahl der Unfälle auf Sekundenschlaf auffahrender Verkehrsteilnehmer.

Das Tempo war hoch, die Dichte der Informationen ebenso – und der Rahmen gelungen. Das Lächeln auf den Gesichtern der Teilnehmer, mitten in Deutschland, im hessischen Hohenroda, dabei gewesen zu sein, zeigte die allgemeine Zufriedenheit. Auch bei den Ausstellern. „Tiptop organisiert. Wir sind sehr zufrieden“, ist das Fazit von Mirko Fritsch, Gebietsverkaufsleiter Palfinger. „Wir hatten einige gute Gespräche“, resümiert Christian Matusch, Geschäftsführer der Matusch GmbH. Und Andreas Cremer, globaler Produktdirektor für AT-Krane von Manitowoc, bringt es so auf den Punkt: „Es war eine gute Veranstaltung.“
Eine der Innenausstellungsflächen

Die nächste Internationale Schwerlasttagung findet am 1. und 2. Oktober 2021 statt. Dann feiert das Event sein 25-jähriges Jubiläum. Und das am nun etablierten Standort in Hohenroda.

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