19.04.2021

Liebherr: -12 Prozent ist „zufriedenstellend“

Außer Kühl- und Gefriergeräten alles rückläufig: Die Firmengruppe Liebherr hat im Jahr 2020 einen Umsatz von 10,341 Milliarden Euro erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete das Unternehmen damit insgesamt einen Rückgang um 1,409 Milliarden Euro oder 12 Prozent. „Nach mehreren erfolgreichen Jahren und vor dem Hintergrund der besonderen Rahmenbedingungen im abgelaufenen Geschäftsjahr ist dies dennoch zufriedenstellend“, so der Konzern in einer Pressemitteilung vom Montagnachmittag.

Zur Begründung sagen Isolde und Willi Liebherr: „In einer Zeit, in der es um das Wohlergehen von Menschen geht, tritt der wirtschaftliche Erfolg etwas in den Hintergrund. Die Gesundheit ist und bleibt das höchste Gut. Unsere oberste Priorität im letzten Jahr war es daher, Infektionsrisiken für all unsere Mitarbeitenden und deren Angehörige sowie für unsere Geschäftspartner zu minimieren und gleichzeitig die Geschäftsprozesse aufrechtzuerhalten. Hierzu waren enorme Anstrengungen nötig, und es wurde unseren Mitarbeitenden viel abverlangt.“
Isolde und Willi Liebherr

Unter schwierigsten Rahmenbedingungen mit 48.000 Beschäftigten über zehn Milliarden Euro umzusetzen, erfülle sie mit Stolz, schreiben die beiden Mitglieder im Präsidium des Verwaltungsrates der Liebherr-International AG in einem Vorwort zum Geschäftsbericht.

Große Teile des ersten Quartals 2020 seien für die Firmengruppe noch mit einer erfreulichen Auftragslage verbunden gewesen. Doch zum Quartalsende schlug die Pandemie zu – und beendete den positiven Trend jäh. In allen Produktsegmenten ging der Umsatz zurück mit Ausnahme der Kühl- und Gefriergeräte: rund eine Milliarde Umsatz Anno 2020, das macht ein Plus von 2,4 Prozent. Übrigens: Die Hälfte seines Gesamtumsatzes erwirtschaftete der Konzern in der EU.

Der Umsatz im Bereich Baumaschinen & Mining, also in den Segmenten Erdbewegung, Materialumschlag, Spezialtiefbau, Mobil- und Raupenkrane, Turmdrehkrane, Betontechnik und Mining, lag mit insgesamt 6,848 Milliarden Euro 10,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Noch stärker fiel der Rückgang in den Segmenten Maritime Krane, Aerospace und Verkehrstechnik, Verzahntechnik und Automationssysteme, Kühl- und Gefriergeräte sowie Komponenten und Hotels aus: einen Gesamtumsatz von 3,493 Milliarden Euro, was einem Minus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Zwei LHM 800 heben 616 Tonnen im Tandemlift im Hafen von St. Petersburg

Ein Viertel des Gesamtumsatzes generiert allein das Segment Mobil- und Raupenkrane mit seinen rund 5.000 Beschäftigten: 2020 waren es 2,504 Milliarden Euro, sprich -4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den Löwenanteil davon erwirtschaftet der Konzern nach wie vor in der EU mit 45,8 Prozent. Bei Raupen stagnierte die Geschäftsentwicklung, während der Weltmarkt für Mobilkrane sich leicht rückläufig gab. Besonders gut liefen die Geschäfte im Heimatmarkt Deutschland, während der amerikanische Markt in seiner Bedeutung klar geschrumpft ist (von 25,4 auf 23,6 Prozent).

Mit Turmdrehkranen erzielte Liebherr Erlöse in Höhe von 444 Millionen Euro, was einem Rückgang um 101 Millionen Euro oder 18,5 Prozent entspricht. Über zwei Drittel davon, exakt 68 Prozent, erwirtschaftet der Hersteller in der EU. Und dieser Markt war von starken Rückgängen gekennzeichnet. Gut lief es hingegen in der Schweiz und in China. Mit Maritimen Kranen setzte die Firmengruppe 795 Millionen Euro um. Das sind 10,4 Prozent weniger als 2019.

Das heißt: Rund 3,75 Milliarden Euro konnte der schwäbische Kranbauer im Jahr 2020 mit Kranen umsetzen. Nach 603 Millionen Euro 2019 steht diesmal ein Betriebsergebnis von 416 Millionen in den Büchern. Das Ergebnis vor Steuern schrumpft von einer Dreiviertelmilliarde auf 278 Millionen Euro. Nach Steuern bleiben gerade mal 7 Millionen Euro Gewinn übrig – nach zuvor 429 Millionen. Das entspricht einem Radikal-Rückgang von über 98 Prozent.

„Angesichts der besonderen Herausforderungen und erschwerten Rahmenbedingungen kann dies dennoch als Erfolg gewertet werden“, so das Unternehmen. Trotz des deutlichen Umsatzrückgangs blieb die Mitarbeiterzahl quasi stabil mit 47.925 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (zum 31.12.2020). Das sind 124 weniger als im Vorjahr. Eine halbe Milliarde Euro floss 2020 in Forschung und Entwicklung.

Und noch ein Ausblick auf 2021: „Die erfreuliche Entwicklung des Auftragseingangs im ersten Quartal 2021 über verschiedene Produktsegmente der Firmengruppe hinweg deutet auf eine signifikante Steigerung des Absatzes in 2021 hin“, teilt der Hersteller mit.

Kommentare

Diese Website verwendet Cookies, um ein optimales Benutzererlebnis zu gewährleisten. Mit dem Besuch dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen
OK