27.04.2026

Langsam denkt die Branche um

Feurig, Nagel und Beutlhauser gehen voran: Zehn Jahre nach der Vorstellung seines Konzepts eines Turmdrehkrans mit Faserseil anstelle eines Stahlseils kann der deutsche Kranbauer Liebherr ein Resümee ziehen: 40 Prozent der abgesetzten Turmdreher gehen mit Fibre-Technologie raus. Das heißt: Die neue Technik wird mittlerweile gut angenommen, und der Anteil der Krane mit Stahlseil liegt derzeit (noch) bei 60 Prozent.

Die Fibre-Technologie des schwäbischen Herstellers steht für einen grundlegenden Technologiesprung im Bereich der Turmdrehkrane. Seit der Einführung der Fibre-Krane im Jahr 2018 hat sich das Konzept somit erfolgreich am Markt etabliert.

Laut aktueller Zahlen sind inzwischen über 400 Fibre-Krane weltweit im Einsatz. „Dieser Trend ist das Ergebnis von mehr als 15 Jahren Entwicklung, über 87.000 Prüfstandstunden und inzwischen mehr als zehn Jahren Felderfahrung“, so der Hersteller.
In Amsterdam kommt ein 370 EC-B 12 Fibre beim Hotelprojekt Amstel 111 zum Einsatz

Für die Fibre-Technologie sprich vor allem die deutlich verbesserte Handhabung im Schadensfall. So können bzw. konnten bei Seilschäden mittlerweile 80 Prozent der Krane vor Ort auf der Baustelle repariert werden – statt zuvor 50 Prozent. Im Klartext: Das vorhandene Seil kann in vielen Fällen schnell vor Ort gefixt werden, statt einen zeit- und kostenintensiven Austausch durchzuführen, der beim Stahlseil rund einen Tag Ausfallzeit sowie mehrere Stunden Montageaufwand bedeutet. Das heißt: Ein Ersatzseil muss kaum noch jemand kaufen, der einen Fibre-Kran betreibt.

Gleichzeitig ergibt sich auf Basis der bisherigen Servicerückmeldungen eine theoretische Ausfallquote von unter zwei Prozent. Damit erreicht das Faserseil eine Uptime, die in dieser Form mit Stahlseilen nicht möglich sei. Die Grundlage der Erweiterung bildet ein optimierter Reparaturprozess, bei dem wir sowohl die Nähweise als auch die verwendeten Materialien gezielt verbessert haben. Dieses Knowhow basiert auf jahrelanger Erfahrung am Prüfstand und ist durch eine Patentanmeldung auch langfristig geschützt.

Zudem konnte Liebherr die Gesamtlebensdauer der Faserseile auf 14 Jahre erhöhen. Auch technisch bringt das Faserseil laut Liebherr klare Vorteile mit sich: einfacheres Handling, wirtschaftlicherer Betrieb, höhere Traglasten und effizienterer Ressourceneinsatz. Auch typische Fehlerquellen wie Betonkanten besser verzeiht das Faserseil als ein Stahlseil, berichtet der Hersteller.
In Frankreich unterstützte ein 520 EC-B 20 Fibre den Bau einer Straßenbahnbrücke in Brest

Komplettumstellung auf Fibre
Die Fibre-Krane sind mittlerweile weltweit bei Projekten aller Art im Einsatz. Zudem bezeichnet der Konzern vor allem das Feedback von Händlern und Kunden als bemerkenswert. So haben sechs Unternehmen bereits angekündigt, ihre Flotten konsequent auf Fibre-Krane umzustellen. Benjamin Grillmeier, Leiter Hochbau der Beutlhauser Holding, bringt dies klar auf den Punkt: „Wir wollen unseren kompletten Mietpark auf Fibre-Krane umstellen. Dazu setzen wir in der Neuanschaffung ausschließlich auf die Fibre-Technologie und wollen unsere Bestandskrane auf die Fibre-Technologie umrüsten.“

Auch die Nagel Mietservice hat eine klare Linie gezogen: „Die Nagel Mietservice GmbH setzt seit 2020 ausschließlich auf Krane mit Fibre-Technologie. Unsere Mietkunden fragen bei uns gezielt nach Turmdrehkranen mit Fibre-Technologie nach.“

Knud Feurig, Geschäftsführer und Gesellschafter von Feurig Baumaschinen, hebt insbesondere die Robustheit und Reparaturfähigkeit hervor: „Das Faserseil ist äußerst robust und verzeiht Fehler in der Bedienung. Die meisten Beschädigungen können direkt vor Ort schnell und unkompliziert repariert werden. Wir haben uns daher entschieden, bei zukünftigen Investitionen zu hundert Prozent auf die Fibre-Technologie zu setzen.“
Ein 1188 EC-H 40 Fibre kommt beim Bau eines neuen Stahlwerks in Spanien zum Einsatz

Die norwegische Utleiecompagniet betreibt rund 180 Krane, wobei 15 mit Kunststoffseil ausgestattet sind. In Zukunft plant das Unternehmen, ausschließlich in Fibre-Krane zu investieren.

Die Schweizer Liebherr-Baumaschinen AG hat 450 Krane im Mietpark, davon 264 Obendreher. 32 davon sind Fibre-Krane. Künftig soll gezielt in Fibre-Krane investiert werden.

Liebherr geht sogar so weit zu sagen: „Mit dem positiven Marktfeedback und der zunehmenden Flottenumstellung vieler Händler entwickelt sich die Fibre-Technologie Schritt für Schritt zum neuen Standard im modernen Turmdrehkranmarkt.“

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