30.09.2026

Tadanos 60-Tonner kommt bald

Gut Ding will Weile haben: Tadano hat die Einführung seines neuen 60-Tonnen-All-Terrain-Krans AC 3.060-2 auf drei Achsen angekündigt. Er ist ab sofort bestellbar, heißt es.

Die Auslieferung in Nord- und Südamerika sowie in Australien soll noch in diesem Jahr anlaufen, also in den kommenden zwei, drei Monaten. Diese Krane werden in Japan gefertigt, parallel zum dortigen aktuellen 2-Achs-Modell.

Die Produktion der ersten Einheiten für den europäischen Markt soll in der ersten Hälfte 2027 anlaufen, gefolgt von den ersten Auslieferungen kurz darauf. Im besten Fall könnten Kranbetreiber in Europa ihren 60-Tonner also schon Mitte 2027 bekommen. Erstmals angekündigt wurde der Kran im Juni 2022 und erstmals zu sehen war er auf der bauma 2022.

Der neue AC 3.060-2 verfügt über einen 50 Meter langen sechsteiligen Hauptausleger. Bei drei Metern Ausladung beträgt die Tragfähigkeit 39,5 Tonnen. Bei voll ausgefahrenem Hauptausleger und einer Ausladung von 12 Metern liegt die Tragfähigkeit bei 6,7 Tonnen.
Maximale Rollenhöhe: 69 Meter

Eine 8,5 bis 16 Meter lange Doppelklappspitze ermöglicht eine maximale Rollenhöhe von knapp unter 69 Metern. Bei einer Steilstellung von 40 Grad beträgt die Tragfähigkeit bis zu 2,4 Tonnen bei 64 Metern Rollenhöhe und 16 Metern Ausladung beziehungsweise 26 Metern Ausladung bei 60 Metern Höhe.

Der Kran verfügt über ein Gegengewicht von bis zu 13 Tonnen, kann aber auch mit 9,8, 4,2 oder 3,1 Tonnen Gegengewicht konfiguriert werden. Die maximale Seilzugkraft im Einzelstrang beträgt 6,7 Tonnen. Bei dreifacher Seileinscherung an einer Einscheiben-Unterflasche können 20 Tonnen gehoben werden.
Straßenfahrt mit 12 Tonnen Achslast

Der Kran mit Allradantrieb und Allradlenkung kann unter Einhaltung der 12-Tonnen-Achslastgrenze mit 4,2 Tonnen Gegengewicht an Bord sowie der Einscheiben-Unterflasche und 300 Kilogramm Anschlagmitteln fahren. Alternativ ist die Fahrt mit 3,1 Tonnen Gegengewicht, der kompletten Klappspitze und 400 Kilogramm Anschlagmitteln möglich. Alternativ kann der Kran – sofern Achslasten von 16,5 Tonnen zulässig sind – mit der gesamten Ausrüstung sowie einer zusätzlichen halben Tonne an Anschlagmitteln und Zubehör verfahren.

Die Gesamtbreite beträgt 2,55 Meter, die Gesamthöhe 3,71 Meter und die Gesamtlänge 11,69 Meter, wobei die Länge des Fahrgestells knapp unter 9,5 Metern liegt. Die Abstützbasis ist variabel zwischen 3,0 und 6,5 Metern einstellbar. Das System Flex Base überwacht dabei die automatische Konfiguration der Traglasttabellen, ergänzt durch die Kransteuerung IC-1 Plus mit sogenanntem Capacity Radar.
Die Abstützung ist unabhängig voneinander variabel einstellbar

Optional erhältlich sind das Surround ViewSystem mit vier Kameras sowie Windenkameras und das batterieelektrische E-Pack für den Innenbetrieb.

Masafumi Nakamura, Mitglied des Produktentwicklungsteams bei Tadano Japan, sagt: „Mit unserem neuen AC 3.060-2 haben wir einen kompakten und leistungsstarken Kran geschaffen, der ein extrem breites Einsatzspektrum mühelos abdeckt. Genau das war unser Entwicklungsziel – und das haben wir definitiv erreicht. Diese hohe Leistungsfähigkeit bei steilem Auslegerwinkel erweist sich besonders beim Heben schwerer Lasten über Hindernisse hinweg als Vorteil.“


Vertikal Kommentar

Auch wenn dieser Kran optisch in vielen Bereichen dem älteren, auf Demag-Technologie basierenden AC 3.060-1 stark ähnelt, sind die vorgenommenen Änderungen nach unserem Verständnis tiefgreifend. Er verfügt zweifellos über den längsten Hauptausleger – mit mindestens zwei Metern Vorsprung vor der Konkurrenz –, während seine Gitterspitzenverlängerung mindestens so lang ist wie die der Wettbewerber.

Was die Tragfähigkeit betrifft, so weist er im Nahbereich der Traglasttabelle – also bei sehr steilem Auslegerwinkel – leichte Schwächen auf. Dieser Bereich ist jedoch ohnehin kaum praxisrelevant, außer etwa bei Lasttests mit einem Dynamometer. Im übrigen Bereich der Traglasttabelle schneidet der Kran hingegen sehr gut ab.

Der Grove GMK3060L kann bei Einhaltung der 12-Tonnen-Achslastgrenze etwas mehr Gegengewicht mitführen, doch der neue Tadano findet eine gute Balance zwischen diesem Modell und dem Liebherr LTM 1060-3.1.

Die Fertigung der ersten Exemplare in Japan ist ein interessanter Schritt. Angesichts des sehr schwachen Yen-Dollar-Wechselkurses ist dies finanziell sinnvoll, und – ob es uns gefällt oder nicht – japanische Fertigungslinien liefern typischerweise Produkte von höherer Fertigungsqualität. Erwähnenswert ist zudem, dass dieses Modell bereits als Prototyp (offiziell: „Pre-Launch-Modell“) auf der bauma 2022 präsentiert wurde, wobei der Produktionsstart für 2023 vorgesehen war.

Das Unternehmen hat sich offenbar dazu entschlossen, noch einmal an das Reißbrett zurückzukehren und die endgültige Konstruktion nach Japan zu verlagern. Dort verläuft die Produktentwicklung zwar tendenziell langsamer, was jedoch wahrscheinlich mit einer hohen Zuverlässigkeit des Endprodukts einhergeht.

Zudem kamen bekannte Faktoren ins Spiel wie die Umstrukturierung des Unternehmens einschließlich der Schließung des Werks Wallerscheid, der russische Angriffskrieg in der Ukraine sowie Anpassungen und Updates an geänderte Gesetzgebung und Ähnliches. Hinzu kommt: Auch die Homologisierung dauert, und traditionell verlangt der Markt in Europa nach mehr Optionen, sodass die Entwicklung und das Rollout mehr Zeit benötigen.

Möglicherweise beginnt Tadano die Produktion in Japan in der Hoffnung, die dortige Fertigungsqualität und die Mentalität der Liebe zum Detail im nächsten Jahr auf das deutsche Werk übertragen zu können.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das sieht nach einem Erfolgsmodell aus.

Kommentare