02.11.2017

Technik zum Abheben

Konecranes modernisiert den Drehkran am Prüfstand für Raketenantriebe des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

In Lampoldshausen bei Heilbronn, am Standort des DLR werden Oberstufentriebwerke für Ariane-Trägerraketen getestet. Bei den Vorbereitungen der Tests spielt der Drehkran auf dem Gebäudedach eine wichtige Rolle. Bei den Vorbereitungen der Versuche muss tonnenschweres Forschungsmaterial angeliefert und entladen werden. Eine Aufgabe für den Drehkran auf dem Dach des fast zwölf Meter hohen Gebäudes. Die in die Jahre gekommene Krananlage muss modernisiert werden; ein Auftrag für Konecranes.
Am Prüfstand P4 werden Oberstufentriebwerke für Ariane Trägerraketen getestet – mit Unterstützung des Konecranes-Drehkrans.


„Wir haben den Drehkran aus dem Jahr 1964 auf dem Dach genau untersucht und gemeinsam mit dem DLR ein Konzept entwickelt, um die Krananlage auf den neusten technischen Stand zu bringen. Mit Features wie den frequenzgesteuerten Antrieben an Drehwerk und Laufkatze erfüllt der Drehkran nun optimal die Anforderungen des Prüfstandsbetriebs“, sagt Werner Marquardt Projektmanager Modernisierungen bei Konecranes. Die Kranexperten verstärken zudem den Stahlbau und erneuern dessen Konservierung. Verschlissene mechanische Bauteile werden ersetzt und die Kranelektrik komplett ausgetauscht. Mit neuen Laufstegen, Geländern und Aufgängen erhöht sich auch die Sicherheit der Krananlage.
Mit zwei Autokranen wird der Drehkran zurück auf das Dach des Prüfstands P4 in Lampoldshausen gehoben.


Auf dem Dach des Raketenantriebsprüfstands muss die Anlage im Jahresverlauf Temperaturen von minus 5 bis plus 40 Grad Celsius bei Wind, Regen, Sonne und Schnee trotzen. Zudem ist Baden-Württemberg deutschlandweit das Bundesland mit den meisten Niederschlägen. Im Jahr 2016 fielen hier pro Quadratmeter im Schnitt 965 Liter. „Die Witterung hat der Konservierung und der Stahlkonstruktion über Jahre stark zugesetzt“, sagt Marquardt.

Die Spezialisten demontieren deshalb zunächst das Gegengewicht von insgesamt 5,5 Tonnen. Anschließend wird der komplette 13,8 Tonnen schwere Kran mittels zwei Autokranen abgehoben und auf Flur abgesetzt. Für den Transport muss ein Schraubstoß zwischen dem Ausleger und dem 3,2 Tonnen schweren Unterteil eingearbeitet werden. In einer Aufbereitungshalle entfernen die Kranexperten per Sandstrahlen die Reste der Lackschicht. Mit umfassenden Schweißarbeiten wird die Stahlkonstruktion verstärkt und danach statisch nachgerechnet. Anschließend erhält die Krananlage einen komplett neuen Anstrich. Zurück auf dem Prüfstand kann der Drehkran bei einer Ausladung von 15 Metern nun Lasten bis fünf Tonnen bewegen. Bei Ausladungen bis 10,3 Metern ist der Transport von Lasten bis 7,5 Tonnen möglich.

Mit rutschfes¬ten Stegen und höherem Geländer schafft Konecranes mehr Sicherheit beim laufenden Betrieb der Anlage.

„Bisher konnten Bediener nur zwischen vier Geschwindigkeiten wählen. Das ist inneffizient, insbesondere bei einer Hubhöhe von bis zu 34 Metern. Wir haben dem DLR daher unsere Antriebe der CXT-Serie empfohlen“, sagt Marquardt. Mit der neuen Antriebstechnik lässt sich die Geschwindigkeit der Drehbewegung und der Laufkatze stufenlos einstellen und der Bediener kann Hebe- und Transportvorgänge präziser steuern. Zudem sind die neuen Antriebe mit innenliegenden Scheibenbremsen äußerst wartungsarm. Ein weiterer Vorteil: Aufgrund der geringeren Anfahrmomente reduzieren sich stoßartige Belastungen auf ein Minimum. Antriebskomponenten, Stahlbau und das Gebäude werden weniger beansprucht – für eine längere Lebensdauer.

Wind, Regen, Schnee: Auf dem Dach des DLR-Prüfstands P4 trotzt der Drehkran mit neuem Anstrich jedem Wetter.

Die Anlage wird darüber hinaus mit robusten Schaltschränken ausgestattet. Ein Dach schützt die Schaltelektrik auf dem Ausleger vor Witterung. Mechanische Teile mit altersbedingten Verschleißerscheinungen sind erneuert – etwa die Kupplungen oder die beiden Seilleitwalzen, die das Stahlseil auf dem Ausleger führen. Auch das Sicherheitskonzept erhält ein Update und wird an die neuen Maschinenrichtlinien angepasst: Die rundumlaufenden Stege und die Aufgänge werden mit rutschfesten Blechen belegt, und der Drehkran erhält ein neues Geländer – für höchste Sicherheit bei der Begehung des Drehkrans.

Konecranes hat die Krananlage mit moderner Elektrik und CXT-Antrieben ausgestattet


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