26.03.2020

Ehingen legt Fertigung auf Eis

Keine Schutz- oder Vorsichtsmaßnahme, sondern erzwungener Produktionsstopp: Das Liebherr-Werk Ehingen wird in den Kalenderwochen 15 und 16 – der Karwoche und der Osterwoche, also den baden-württembergischen Osterferien – seine Fertigung sowie fertigungsnahe Bereiche komplett stilllegen. Das teilte der Konzern auf Anfrage gegenüber Vertikal.net mit. Zunächst hatte die lokale Presse darüber berichtet.

Das Problem sind ausbleibende Lieferungen; ohne Komponenten kein Kran. Das liegt daran, dass Firmen ihre Produktion eingestellt haben und dass Transporte sich verzögern. So kommt einfach zu wenig Teilenachschub in Ehingen an. Doch Kurzarbeit stehe nicht an, so das Unternehmen.

In einem Statement des Konzerns heißt es: „Wir werden in KW 15 und KW 16 die Fertigung sowie fertigungsnahe Bereiche im Liebherr-Werk Ehingen schließen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Vorsichtsmaßnahme – sondern um eine nicht mehr gesicherte Lieferkette. Aufgrund vieler Grenzschließungen und Verzögerungen im internationalen Warenverkehr, aber auch Einstellungen der Produktionen von Zulieferern in Italien, Frankreich oder der Schweiz fällt die Lieferkette auf Zulieferseite zunehmend zusammen. Dies bedeutet einfach: Uns geht das Material für die Produktion der Krane aus.“
Mobilkranmontage in Ehingen

Weiter heißt es: „Wir haben bereits in den vergangenen Wochen zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen unternommen, immer mit dem Ziel, unsere Mitarbeiter geschützt zu wissen in dem Umfang, wie dies auch im privaten Umfeld möglich ist. Dazu haben wir uns von externen Hygiene-Experten beraten lassen, zum Beispiel für die Kantine. Dort gibt es bereits seit einer Woche beispielsweise den Lunch-to-Go. Wir haben wo immer möglich räumliche Trennungen vorgenommen, um den Mindestabstand umzusetzen. Auch nutzen wir bereits bestehende Arbeitszeitkonten, um Betreuungsfälle wie bei Mitarbeitern mit Kindern sicherzustellen.“

Das Gute: An Kurzarbeit ist nicht gedacht. Denn Liebherr und seine Mitarbeiter haben noch geug Puffer in den Arbeitszeitkonten – nach zehn Boomjahren. Viele Mitarbeiter haben daher eine Menge an Überstunden angehäuft, und die lässt sich in den zwei Vier-Tage-Wochen (wegen der Feiertage Karfreitag und Ostermontag) gut „abbummeln“, um es mal salopp zu sagen.

Dazu erklärt das Unternehmen: „Grundsätzlich greifen bei uns die Arbeitszeitmodelle, ähnlich wie im offiziellen Sommer-Betriebsurlaub. Wo immer möglich, werden bestehende Zeitkonten genutzt. Viele Mitarbeiter haben aufgrund der guten Auftragslage der vergangenen Jahre eine hohe Zahl an Überstunden auf den Konten, die in so einer Situation nun abgebaut werden können. Auch zeigen wir uns sehr flexibel bei der Nutzung der bestehenden Regelungen für die Arbeitszeitmodelle, in enger Abstimmung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat.“

Und noch etwas Gutes: Bislang registriert der Konzern keine heftigen Auftragsrückgänge oder Stornierungen. Ein Sprecher teilt mit: „Grundsätzlich haben wir einen hohen Auftragsbestand. Der Großteil der Jahresproduktion ist an Kunden bereits verkauft. Bisher sehen wir keine großen Auftragseinbrüche oder Stornierungen. Aufgrund der internationalen Lage verschieben sich aber durchaus Auslieferung an die Kunden, da einfach nicht alle Länder derzeit beliefert werden können.“

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