25.07.2019

Schwerstarbeit im Schelfeis

Testphase absolviert: Ein Spezialkran des Münchner Unternehmen Schmidbauer leistet Schwerstarbeit in der Antarktis. Die erste Saison ist geschafft, und alles verlief den Beteiligten zufolge ohne Probleme: Der Liebherr LTM 1040 von Schmidbauer konnte seine Testphase in der deutschen Antarktisstation GARS O’Higgins (German Antarctic Receiving Station O’Higgins) erfolgreich abschließen.
Schmidbauers LTM 1040 in der Antarktis

Weder die heftigen Winde bis 250 km/h noch das feuchte und salzhaltige Klima oder die kalten Temperaturen bis -15 Grad sorgten für technische oder elektronische Probleme. Dazu habe man die Geräteteile optimal vorbereitet, so das Vermietunternehmen; genauso wie das Team. Die Kranführer hätten sich in der Extremsituation – weit entfernt von den Familien und überhaupt der Zivilisation– gut zurechtgefunden.

Insgesamt drei Kranfahrer hatte Schmidbauer in der Firmenzentrale in Gräfelfing bei München für die besonders anspruchsvolle Aufgabe geschult, zwei Chilenen und den Mechaniker eines Subunternehmens.
Seit Dezember 2018 stemmt der Mobilkran am südlichsten Punkt der Erde Lasten für den Umbau der deutschen Forschungsstation. In der gerade beendeten Testphase übernahm das Team hauptsächlich Arbeiten für die chilenische Forschungsstation direkt nebenan.

Allein der Transport des 24 Tonnen schweren Krans ins Polargebiet gleicht einer logistischen Mammutaufgabe. Als Schmidbauer drei Tage vor Weihnachten 2017 den Auftrag erhielt, einen Kran zur Polarstation zu transportieren, begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Bereits Anfang Januar 2018 musste das Gerät verschifft werden, damit es Mitte März nach zwei Etappen mit verschiedenen Frachtschiffen von Punta Arenas aus mit einem chilenischen Militärschiff an sein endgültiges Ziel gebracht werden konnte.
Die Kranfahrer mussten speziell geschult werden

„Falls der Kran nicht rechtzeitig versandbereit gewesen wäre und den Start zur letzten Transportstrecke verpasst hätte, wäre ein ganzes Jahr verloren gewesen. Die Liefermöglichkeiten in die Antarktis sind extrem begrenzt“, erklärt Niederlassungsleiter Robert Jäger, mitverantwortlich für die gesamte Organisation. Ein Jahr Verzögerung war für beide Seiten natürlich keine Option.

Für den Transport etwa musste das Gerät zerlegt werden, denn kein Einzelteil des Krans durfte mehr als acht Tonnen wiegen, weil diese vor Ort mit Pontons von der zwei Kilometer entfernten Schiffsanlegestelle zur Forschungsstation transportiert wurden. Zum Schutz der in der Nähe lebenden Pinguine dürfen Schiffe nämlich nicht näher an die Insel heranfahren.

Neben den strengen Umweltschutzvorschriften wurden noch andere Faktoren einkalkuliert, etwa die gewaltigen Kräfte der Natur auf dem Transportweg. Wegen ihrer schieren Größe standen beispielsweise einige Einzelteile beim Transport auf den Schiffsdecks und mussten mit speziellen Planen gegen elementare Wetterbedingungen und Meerwasser geschützt werden.

Nach der erfolgreichen Montage des Krans wurde er sofort winterfest gemacht. Da im antarktischen Winter mit Minustemperaturen und starken Winden nicht gearbeitet werden kann, stand der Kran die folgenden Monate in einer Garage der chilenischen Nachbarstation, die ihn ebenfalls für gelegentliche Hebearbeiten nutzen darf.

Je nach Witterung wird er im antarktischen Sommer vier bis sechs Monate lang Container und Anlagenteile bewegen, bevor er wieder winterfest gemacht wird. Zwei bis drei Mal wird sich der Zyklus wiederholen, bis die Umbaumaßnahmen abgeschlossen sind. Ab November 2019 soll die Arbeit für die nächste Bauphase erneut aufgenommen werden.
Der Einsatzort liegt 14.400 Kilometer von der Schmidbauer-Firmenzentrale entfernt

Hintergrund
Seit 1991 betreibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zusammen mit dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) die Antarktisstation GARS O’Higgins (German Antarctic Receiving Station O’Higgins). Die Station liegt unweit der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel direkt neben der chilenischen Station General Bernardo O’Higgins, rund 14.400 Kilometer von München entfernt.

Seit Anfang 2010 ist die deutsche Forschungsstation das ganze Jahr über durchgehend mit einer vierköpfigen Besatzung bemannt. In den kommenden Jahren sollen weitere wissenschaftliche Messinstrumente hinzukommen, die auf Langzeitmessungen ausgerichtet sind. Außerdem wird die Station für 2,5 Millionen Euro modernisiert. Dabei wird unter anderem die Antennensteuerung von analog auf digital umgestellt.

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